DABEISEIN IST ALLES - AUCH OHNE TICKET

Veröffentlicht am 16. Mai 2026 um 03:06

EIN KOMMENTAR VON TEDKOWSKI

Die Petition „Für ein tierversuchsfreies Deutschland: Tiere haben eine Würde“, die Tedkowski im November letzten Jahres auf der Plattform Change.org gestartet hat, vereint damit bis heute 7.736 Unterstützerinnen und Unterstützer (Stand: 16.05.2026 um 1:42 Uhr). Die online gesammelten Unterstützungsbekundungen lassen sich ausdrucken und in Papierform übermitteln – nicht gerade ökologisch. Ein sicherer digitaler Übertragungsweg fehlte, die Unterlagen gingen daher klassisch per Post an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages. Die geballte Papierladung mit den darauf vermerkten Unterstützer:innen kam beim Ausschuss an. Auf die Post war Verlass. Mit fast kindlicher Freude stellte ich mir vor, welchen Impact die Papierform dort beim Petitionsausschuss wohl hinterließ. Doch noch bevor die inhaltliche Debatte richtig los geht, türmen sich formale Hürden auf. Der Petitionsausschuss scheint mit dieser Art der Online-Petition zu hadern, weil sie anders funktioniert.

Aber der Reihe nach: Ich habe mich erneut direkt an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages gewendet – denn das Thema ist dafür einfach zu wichtig.

Das Antwortschreiben vom 11.05.2026, überschrieben mit ‚Deutscher Bundestag – Petitionsausschuss‘, darin heißt es unter anderem:

„Soweit Sie in Ihrem Schreiben auf eine auf der Internetseite ‚Change.org‘ veröffentlichte Petition verweisen, weise ich darauf hin, dass die Internetplattform ‚Change.org‘ ein eigenständiges und vom Deutschen Bundestag unabhängiges Forum darstellt, auf dessen Petitionen der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages nicht zurückgreift.“

Auf Nachfrage von Tedkowski vom 15.05. dieses Jahres erklärt Change.org, dass die Petitionen vollständig digital organisiert sind und Unterstützer*innen online mit einer gültigen E-Mail-Adresse unterzeichnen müssen, um ihre Stimme zu verifizieren. Aus diesem Grund könnten handschriftliche Unterschriften nicht hochgeladen oder zur Online-Unterschriftenzahl der Petition hinzugefügt werden.

Was jetzt – was nun?

Und doch will man einfach nur glauben, dass am Ende alles gut wird. Wenn Protest auf einem Ticket reisen soll, hat das durchaus etwas Kurioses Digitale Mobilisierung ist längst Teil politischer Realität, ihre parlamentarische Wirksamkeit bleibt an institutionelle Verfahren gebunden. Es braucht Wege, wie auch diese Formen angemessen gewürdigt werden. Ich hoffe, dass auch diese über eine Online-Petition organisierte Form der Mobilisierung berücksichtigt wird. 

Dabeisein ist alles – das bleibt letztlich entscheidend. Ob mit oder ohne Ticket. Beteiligung findet ihren Weg. Das Wasser eines Flusses sucht sich schließlich auch seinen Weg zum Meer. (tb)